22.06.2025
Ein Konzert in der Lienzinger Frauenkirche hinterlässt tiefe Spuren. (Vaihinger Kreiszeitung)
Mühlacker. Der „Musikalische Sommer“ nimmt Fahrt auf. „Junge Talente“ war schlicht das zweite Konzert überschrieben. Doch dahinter verbarg sich „musikalischer Zündstoff“, der die Frauenkirche beinahe beben ließ.
Drei hochbegabte junge Künstler setzten wahre Glanzlichter mit ihrem facettenreichen, ungemein ausdrucksstarken und berührenden, hoch emotionalen Spiel. Schon als Solisten hatte sie zahlreiche Auftritte in renommierten Konzertsälen und gewannen viele nationale und internationale Preise und Auszeichnungen. Nun als Trio vereint, zeigten die 19-jährige Violinistin Marie Helling, Cellistin Anna Meipariani, 17 Jahre jung und der erst 16-jährige Pianist Kolja Hölscher ebenfalls ihr außergewöhnliches Können bei den Interpretationen ihres an Höhepunkten reichen Programms. Drei Klaviertrios trugen sie vor.
Zum Auftakt das Klaviertrio Es -Dur von Joseph Haydn (1732-1809). Ein heiterer beschwingter Beginn, so recht passend zu einem sonnigen Sonntag. Warmer Streicherklang, perlende Läufe des Klaviers, weite Klangbögen zwischen sanftem Pianissimo und markantem Forte lassen aufhorchen. Aufwendige kunstvolle Wendungen, ein kurzer Wechsel vom Dur zu Moll im zweiten Satz Andante und dann überraschend schnell folgt das Finale: ein Presto, dessen tänzerischen Stil Haydn als „in the German Style“ notiert hatte. In seiner Londoner Zeit hat er mehrere Klaviertrios komponiert, darunter auch dieses in Es-Dur.
Weniger humorvoll, eher von Tragik durchzogen, klangen die nachfolgenden Werke.
Sein Klaviertrio e-Moll, op. 67 widmete Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) seinem besten Freund nach dessen plötzlichen Tod. Ein Verlust, der ihn lebenslang bedrückte. Nur der zweite Satz des Trios vermittelt eine Art aufgesetzte Fröhlichkeit, während die übrigen drei Sätze von Schmerz und Klage geprägt sind. Die Empfindungen des Trauernden wurden auf allen Klangebenen von Violine, Cello und Klavier tief berührend umgesetzt.
Grausame Schicksalsschläge hatte auch Bedrich Smetana (1824-1884) zu beklagen. Den Tod seiner vierjährigen Tochter hoffte er mit seiner Komposition des Klaviertrios g-moll, op. 15 zu verkraften. Es beginnt mit einem sensiblen Violinsolo, ehe rauhe und harte Klänge die ganze Tragik eindringlicher umschreiben. Trost spendet vielleicht singender Celloklang oder eine melodiöse Kantilene, dazu einige flüchtige, vermeintlich lustige Polkatakte, die dann doch wehklagend verlaufen. Temporeich spielte das Trio auf. Vorrangig ist im dritten Satz der Pianist gefordert und muss sich gegen das leidenschaftliche Auftrumpfen der Streicher durchsetzen. Doch nicht mit dem nun intonierten düsteren Trauermarsch endet das Werk. Überraschen hell verklingen die letzten Takte des Stückes – vielleicht als kleiner Lichtblick im von Trauer erfüllten Leben des Komponisten?
Für den überwältigten Applaus beglückten die Künstler die Zuhörer mit der Wiederholung des zweiten Satzes des Schostakowitsch-Trios. Irgendwie nun frei von allen „Lasten“ spielten die Drei mit nochmals gesteigerter Brillanz auf. „Uns hat die unglaubliche Vielfalt und das harmonische Zusammenspiel gefallen, aber besonders, dass jeder Künstler mit seinem Können auch solistisch hörbar war“, äußerten sich begeistert zwei Zuhörer - angereist aus Möglingen.
(Vaihinger Kreiszeitung vom 22.06.2025, Text und Foto: Eva Filitz)